Es braucht vor allem Vertrauen

Kati Pech hat zwei Kinder und lebt mit ihrer Familie in Berlin. Ihre Tochter hat die ersten zehn Schuljahre an einer Demokratische Schule verbracht und dort ihren Mittleren Abschluss gemacht. Ihr Sohn besucht diese Schule noch. Wie erlebt sie als Mutter die Zeit ihrer Kinder an einer Demokratischen Schule?

Ein Interview mit Kati Pech

Warum hast du für deine Kinder eine Demokratische Schule ausgesucht?

Wir haben die Demokratische Schule zusammen ausgesucht, der Vater der Kinder und ich, weil wir selbst in der Jugend schon in Kontakt gekommen sind mit der Kritik an der Regelschule. Einerseits durch eigenes Erleben und andererseits, weil wir bei der Kinderrechtsorganisation K.R.Ä.TZ.Ä. lange Zeit aktiv waren. Dort war eines der großen Themen: »Was wir an Schule falsch finden« und wie man es vielleicht besser machen könnte. Und die Kinder an eine Demokratische Schule zu schicken, statt in eine staatliche Regelschule, das war für uns völlig klar.

Die Netzwerk-Schule, an die unsere Tochter dann gegangen ist, wurde ein Jahr, bevor sie eingeschult werden sollte, gegründet. Das war für uns ein totaler Glücksfall, weil die auch räumlich ganz nah dran war an unserer Wohnung. Als sie noch in der Kita war, hat sie sich die Schule schon mal angeguckt und konnte sich vorstellen, dort hinzugehen. Damit stand das für uns.

Was wusstest du über das Konzept der Demokratischen Schulen?

Wir kannten das Konzept Demokratischer Schulen, sowohl theoretisch als auch aus eigenem Erleben: Wir wussten von Summerhill, der Papa der Kinder war selbst in seiner holprigen Schullaufbahn eine Zeit lang auf einer Demokratischen Schule in Dänemark, und wir haben mit K.R.Ä.T.Z.Ä. Demokratische Schulen besucht, z. B. in Wien.

Wir haben also im Vertrauen darauf, dass das alles gut und richtig sein wird, diese Schule für unsere Tochter ausgesucht. Und am Ende hat der Schulalltag tatsächlich genauso funktioniert, wie wir uns den vorher vorgestellt hatten.

Was waren deine persönlichen Erwartungen an eine Demokratische Schule?

Vor allem entsprach in meiner Vorstellung das Menschenbild, also der Umgang von Mitarbeiter:innen und Schüler:innen untereinander, deutlich eher meinem Menschenbild, als das, was ich an der Regelschule selbst erlebt hatte. Also, dass die Kinder nicht als zu befüllende Gefäße betrachtet werden, die Regeln vorgesetzt kriegen, die sie dann befolgen müssen, sondern dass die Erwachsenen ihnen gleichberechtigt und wertschätzend entgegentreten.

Das fängt an bei so Alltäglichkeiten wie: Wie findet die Begrüßung statt? Wie ist so ein Tagesablauf? Wie werden die Kinder eingebunden bei der Gestaltung des Alltags in der Schule, also ihre Mitbestimmung in der Schulversammlung? Wie kommen sie zu ihrem Lernen, wie ist die Vorstellung davon, wie Lernen überhaupt funktioniert? Also, dass sie nicht nur im 45-Minuten-Takt irgendwo sitzen und Dinge erzählt bekommen, sondern dass es darum geht, dass die Kinder selbst eine intrinsische Motivation dazu haben, die Dinge zu lernen – und das in allen Situationen, die ihnen im Alltag so begegnen: Ob sie nun Magic-Karten spielen oder eine Lernverabredung in Geografie oder Mathe oder Deutsch oder was auch immer haben!

Wurden deine Erwartungen erfüllt? Oder wurden vielleicht auch Erwartungen enttäuscht?

Erwartungen, die sich nicht erfüllt haben, sind gar nicht so sehr die Erwartungen, die ich an die Schule hatte, sondern an meine Kinder! Bei unserer Tochter war das weniger so. Bei unserem Sohn ist das viel deutlicher. Wenn der z. B. nach Hause kommt, nachmittags um zwei, obwohl ja die Schule bis um sechs geöffnet hat, und man ihn dann fragt, wie es denn so war und warum er jetzt schon nach Hause kommt – grundsätzlich ist der ja da sehr gerne – ist häufig die Aussage: Ja, war halt langweilig. Es gab nix. Und dann denke ich immer: Hä? Wie kann einem denn an einem Ort, an dem es so viele Optionen gibt, mit denen man sich beschäftigen könnte, wie kann einem denn da langweilig sein?

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