Die erste Generation! Als Pionierin an der Infinita

Verantwortung übernehmen, ohne es zu merken: Unsere Autorin besucht die Infinita seit ihrem Gründungsjahr und erzählt, wie sie ihre Zeit in der Gemeinschaft einer Demokratischen Schule erlebt hat.

Stine Gutzeit

Mein erstes Schuljahr habe ich nicht an der Infinita verbracht. Ich war auf einer normalen Grundschule. Nach diesem Jahr mit vollem Stundenplan, nachmittäglichen Diskussionen, ob ich meine Hausaufgaben machen muss und vielen Dingen, die ich nicht machen wollte, habe ich die Schule gewechselt.

Ich bin Teil der Gemeinschaft geworden. Die anderen Kinder und ich, die in diesem Jahr eingeschult wurden, waren die erste Generation der Infinita. Wir hatten ungefähr das gleiche Alter, viele waren vorher auf anderen Freien oder Demokratischen Schulen gewesen. Im Nachhinein würde ich sagen, dass ich durch diesen Wechsel einen Teil meiner Kindheit wieder bekommen habe.

Ich bin wieder wild und frei geworden, durfte im Matsch toben oder ruhig auf dem Boden liegen und in den Himmel schauen. Ich konnte – auch in der Schule – einfach wieder das machen, was ich wollte, was mir Spaß gemacht hat. Und das habe ich gemacht.

In den ersten Jahren habe ich gespielt. Eigentlich den ganzen Tag, Stunde um Stunde. Mit allen zusammen. Mit allem, was mir in den Weg kam. Ich war einfach im Moment.

Irgendwann habe ich angefangen, Verantwortung zu übernehmen. Mir war nicht bewusst, dass das Verantwortung ist, was ich da auf meinen Schultern trage, das ist mir erst nach ein paar Jahren klar geworden – ich habe es einfach gemacht.

Ich erinnere mich noch daran, dass ich in den ersten Monaten der Infinita nach Hause kam und stolz erzählt habe, dass ich jetzt im Lösungskomitee bin. Meine Eltern fragten mich, was das sei und da ist mir aufgefallen, dass ich das gar nicht weiß. Ich war einfach so aufgeregt und überwältigt von diesem Gedanken, ein Teil von etwas Neuem zu sein.

In der Infinita groß zu werden, bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Für sich selbst, für das eigene Lernen und Handeln und auch für die Gemeinschaft. Ich habe früh damit angefangen, mich in Komitees zu engagieren, mit neun oder zehn Jahren habe ich meine erste Schulversammlung geleitet. Ich plane Feste und organisiere Treffen.

Mir ist das wichtig. Was mir immer öfter bewusst wird, ist, dass das nicht für alle so ist. Und das ist okay. Andere Menschen gehen lieber nicht so oft in die Schulversammlung oder haben sich in kein Komitee wählen lassen. Sie haben kein Interesse daran, sich um den Waffelstand beim nächsten Sommerfest zu kümmern.

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