»Don’t break the rule – change it«

Very British: Agatha Christie, Cream Tea & Scones und ein verwunschenes Haus mit geheimen Treppenhäusern. Ein Besuch in der Sands School in Ashburton, England.

Nicola Kriesel

Die Internationale Konferenz für Demokratische Bildung (IDEC – International Democratic Education Conference) fand im Jahr 2011 vom 4. bis 14. Juli in Ashburton, Devon, England statt und traf dort die Europäische Gemeinschaft für Demokratische Bildung (EUDEC – European Democratic Education Community). Die ausrichtende Schule war die Sands School in Ashburton, Gründungsmitglied der EUDEC und langjährige Teilnehmerin der IDEC. Eines der ersten IDEC-Treffen fand in den 90er Jahren schon in Sands statt.

Ashburton ist ein kleiner Ort in der Grafschaft Devon im Südwesten von England, die Gassen sind eng und die Menschen very british. Bei einem Spaziergang durch das Städtchen fühlte ich mich in einen Agatha-Christie-Krimi versetzt: Der Ort wirkt wie die Filmkulisse für einen englischen Film – die Häuser klein und bunt auf den beiden Hauptstraßen ein kleiner Laden neben dem anderen – Fruit and Vegetables, Gifts and Cards, Moor Chocolate, ein Bioladen, ein Krämerladen, ein Spar-Supermarkt, eine Food-Cooperative. Die Post macht den Eindruck, als sei in ihr die Zeit vor 60 Jahren stehengeblieben und die freundliche Dame hinter der Glasscheibe sieht so aus, als sitze sie dort ebenso lang. Fast vermittelt der Ort den Eindruck eines Museumdorfes.

Haus und Park

Zwischen all diesen sehr britisch anmutenden Orten findet sich ein besonderer: von außen fast unscheinbar, reiht sich die Sands School in die Reihe der Häuser in der Hauptstraße ein: weiß gestrichenes Gebäude, etwas größer als die anderen und mit einem Holztor zur Einfahrt versehen.

Hinter diesem Tor, ein paar Meter die Einfahrt runter und am Gebäude vorbei eröffnet sich ein parkartiger Garten von fast 5.000 qm, der in diesem kleinen Städtchen eine echte Überraschung ist. Es finden sich auf dem Areal neben vielen kleinen angelegten Beten auch etliche Verstecke, Gebüschhöhlen und Baumhäuser. Sogar einen eigenen Tennisplatz hat Sands. Hier und da eine Schaukel und in einer der alten Backsteinbauten auf dem Gelände finde ich Trainingsgeräte wie aus dem Fitnessstudio, nur nicht mehr so fit. Gleich nebenan steht eine Halfpipe, die sichtbar viel genutzt wird.

Das Gebäude der Sands School hält nicht minder wenige Überraschungen bereit. Im Erdgeschoss gibt es den Theaterraum mit eigener Kostümwerkstatt, die Schülerinnen und Schüler der Sands School haben während der ganzen Konferenz jeden Tag unterschiedliche Stücke aufgeführt, die professionell inszeniert waren und die Besucher sehr berührten.

Außerdem gibt es eine Küche, in der Sean Bellamy, einer der Gründer der Sands School mit den Jugendlichen kocht und backt und die auch als Essraum fungiert.

Im Flur findet sich direkt neben der Bürotür das Anwesenheitsbrett, das scheinbar universal in Freien Schulen verwendet wird. Jeder Schulbeteiligte hat dort ein Schildchen mit seinem oder ihrem Namen und es gibt verschieden Möglichkeiten, wo das Schildchen an diesem Brett hängen kann. Folgende »Abteilungen« sind in Sands vorhanden: »in der Schule«, »zu Hause«, »in der Stadt«, »auf einem Ausflug« und »ist früher nach Hause gegangen«.

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