Demokratische und inklusive Bildung – zwei Seiten einer menschenrechtlichen Medaille?!

Unsere Autoren verdanken der ersten EUDEC 2008 in Leipzig die »stärkste produktive Irritation« ihres professionellen Lebens. Als Wissenschaftler arbeiten sie seit Jahrzehnten über inklusive Bildung. Sie gehörten zu den ersten Akademikern Deutschlands, die sich mit Demokratischen Schulen auseinandersetzten. Hier zeigen sie auf, welche Verbindung sie zwischen inklusiver und demokratischer Bildung sehen.

Ines Boban & Andreas Hinz

Auf den ersten Blick scheinen demokratische und inklusive Bildung wenig miteinander zu tun zu haben: Hier geht es um menschenrechtsbasierte und gewaltfreie Bildungsalternativen, dort um die Bildung von Menschen mit Beeinträchtigungen. So erscheint es jedenfalls bei der Lektüre vieler Statements aus dem Raum der Bildungspolitik und -verwaltung, in journalistischen Beiträgen – und vermehrt auch im erziehungswissenschaftlichen Diskurs.

Unserer Wahrnehmung der Diskussion um Inklusion in den letzten 40 Jahren entsprechend geht es jedoch um deutlich mehr: um die grundlegende Idee, wie (auch) innerhalb von Bildung mit der Gleichheit und Differenz von Menschen umgegangen wird – und das ist die gemeinsame Grundfrage (vgl. Boban & Hinz 2019). Dabei geht es nicht um die Vorstellung, ob Menschen vor allem gleich oder vor allem verschieden sind. Die Grundthese besteht vielmehr im Gedanken einer egalitären Differenz, dem Verschiedensein-Können innerhalb einer gleichberechtigten, also nicht-hierarchischen Grundsituation.

Demokratische Bildung verweist dabei stärker auf die individuelle Freiheit, inklusive Bildung mehr auf die diskriminierungsfreie Gleichstellung aller Menschen. Damit ergänzen sie sich aufs Beste, denn individuelle Freiheit ist auf die Basis grundlegender Gleichheit verwiesen und Gleichstellung ermöglicht individuelle Freiheit für alle. Pointierter formuliert: Beide sind aufeinander angewiesen, denn demokratische Bildung bleibt ohne Inklusion selektiv und inklusive Bildung bleibt ohne Demokratie hierarchisch – und damit wären beide nicht wirklich demokratisch und inklusiv (vgl. Simri & Hinz 2021). Insofern ist es kein Zufall, dass in so ziemlich allen Demokratischen Schulen, die wir in verschiedenen Ländern besucht haben, weit entwickelte Ansätze inklusiver Kulturen, Strukturen und Praktiken vorhanden waren.

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