Ansätze zur Gründung Demokratischer Schulen in Deutschland

Unsere Autoren zeichnen die Geschichte der Demokratischen Schulen von der Reformpädagogik der 20er Jahre über die Alternativschulbewegung, die KinderRÄchtTsZÄnker, die IDEC 2005 in Berlin bis zur EUDEC 2008 in Leipzig nach. Mit welchen Schwierigkeiten haben die ersten Gründungsgruppen zu kämpfen?

Karen & Matthias Kern

Bei dem Versuch, über die Geschichte der Ansätze zur Gründung Demokratischer Schulen in Deutschland zu berichten, stellt sich als erstes die Frage, was denn unter einer Demokratischen Schule zu verstehen ist. Es lassen sich zwei wesentliche Punkte für eine Demokratie – und damit auch für eine Demokratische Schule – festhalten, die als zu gewährleistende Rechte formuliert werden können: Das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, also auf Selbstbestimmung und das Recht auf gleichberechtigte Teilnahme an Entscheidungen, also auf Mitbestimmung.

Zwar schreiben sich wohl alle Schulen die »Erziehung zur Demokratie« auf ihre Fahne, die Anwendung auf die jeweilige Schule selbst ist damit jedoch in den wenigsten Fällen gemeint. Hier sollen daher Schulen betrachtet werden, die diese beiden Rechte – oder zumindest eines davon – berücksichtigen.

Reformpädagogik und Demokratie in Deutschland – ein Rückblick

Werfen wir einen Blick zurück auf »die Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland«. Mit der Unterzeichnung der Weimarer Verfassung am 11. August 1919 wird Deutschland zu einer demokratischen Republik. In der neuen Verfassung werden auch die Aufsicht des Staates über das gesamte Schulwesen und eine allgemeine Schulpflicht festgelegt, wodurch bis heute die Situation im Bildungswesen bestimmt wird. Den Schulen wachsen neue Aufgaben zu, nämlich die Entwicklung der Persönlichkeit und die Erziehung zur Demokratie. Es erhebt sich deutliche Kritik an den bisherigen Schulen, die zur Entwicklung der verschiedenen Richtungen der Reformpädagogik führt.

In dieser Zeit liegen die Wurzeln der Landerziehungsheime, Waldorfschulen, Montessorischulen und weiterer Reformschulen. In vielen dieser Schulen sind zwar die Unterrichtsinhalte und Unterrichtsmethoden andere, dies bedeutet aber nicht unbedingt mehr Selbstbestimmung oder gar mehr Mitbestimmung. Im Jahr 1921 entsteht jedoch in Dresden-Hellerau eine Freie Internationale Schule, in der Lernen und Teilnahme am Unterricht freiwillig sind. Diese Schule wird 1923 zunächst nach Österreich und schließlich nach England verlegt. Es handelt sich um das noch heute bestehende Internat Summerhill, das jetzt von Zoë Readhead, der Tochter des Gründers Alexander S. Neill, geleitet wird.

Alternativschulen und Demokratische Schulen – die Anfänge

Gegen Ende der 1960er Jahre werden viele althergebrachte Institutionen in Zweifel gezogen und dies gilt auch für die Schule. Zahlreiche Alternativschulen werden gegründet, von denen die Clonlara School (USA, 1967), die Sudbury Valley School (USA, 1968) und der Pesta (Ecuador, 1977) maßgebliche Bedeutung für die jetzige Situation in Deutschland haben. In den folgenden Jahrzehnten entstehen allmählich weltweit weitere Demokratische Schulen, unter anderem in Österreich, Dänemark, Israel, den Niederlanden, Russland, Norwegen, Belgien, Spanien, Italien und Polen. Beschreibungen einiger Demokratischer Schulen finden sich in David Gribbles Buch Schule im Aufbruch.

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