Überlasse den Kindern die Kontrolle (Teil 2)

Bist du bereit, deinen Kindern die Kontrolle zu geben, sie zu selbstbestimmten Lernern zu machen, indem du ihnen die Freiheit gibst, ihre Leidenschaften zu verfolgen? Unterstütze dein Kind und steh ihm auf seinem Weg zur Selbstbestimmung zur Seite.

Blake Boles

Zum Glück müssen wir nicht raten. Es gibt bereits zahlreiche Forschungsergebnisse, die diese Frage beantworten. Sie sind in dem Buch The Self-Driven Child: The Science and Sense of Giving Your Kids More Control Over Their Lives (Das selbstbestimmte Kind: Die Wissenschaft und der Sinn, Kindern mehr Kontrolle über ihr Leben zu geben) von William Stixrud, Ph.D. und Ned Johnson sorgfältig zusammengestellt.

The Self-Driven Child ist vollgepackt mit aussagekräftigen Anekdoten, praktischen Vorschlägen und von Experten begutachteten Studien. Es ist ein Buch, das ich einem skeptischen Ehepartner, einem Lehrer, der sich mit alternativer Erziehung beschäftigt, oder Verwandten, die den Wert echter Autonomie für Kinder anzweifeln, in die Hand drücken würde.

In diesem Artikel fasse ich die Hauptargumente des Buches zusammen, kritisiere sie und erläutere die wichtigsten Schlussfolgerungen für selbstbestimmtes Aufwachsen. Viel Spaß!

Mit den Entscheidungen deines Kindes einverstanden sein

Was bedeutet es, der Führung eines Kindes zu folgen? Das meint doch nicht etwa, dass man als Elternteil jegliche Kontrolle und Entscheidungsgewalt aufgibt? Das wäre doch Wahnsinn, oder?

Stixrud und Johnson widmen diesem heiklen Thema ein ganzes Kapitel, und sie finden ein gutes Gleichgewicht:

… wenn wir sagen, dass wir wollen, dass Kinder und Jugendliche so weit wie möglich ihre eigenen Entscheidungen treffen, wollen wir in Wirklichkeit, dass sie informierte Entscheidungen treffen. Es liegt in unserer Verantwortung als Eltern, ihnen die Informationen und die Perspektive zu geben, die wir haben - und die ihnen fehlt -, damit sie die bestmöglichen Entscheidungen treffen können.

»Es ist deine Entscheidung«, bedeutet nicht, eine Diktatur der Jugend einzuführen (»Jeden Abend Schokoladenkuchen zum Abendessen!«) Wenn die Entscheidung deines Kindes dir nicht richtig erscheint, musst du ehrlich sein. Es ist völlig vernünftig, manchmal zu sagen: »Ich kann dich nicht guten Gewissens diese Entscheidung treffen lassen. Es fühlt sich nicht richtig an«. Es geht auch nicht darum, »den Kindern heimlich eine Entscheidung vorzugaukeln, die in Wirklichkeit deine ist«, denn jedes Kind wittert früher oder später eine Manipulation.

Entscheide nicht für deine Kinder, was sie selbst entscheiden können. Teile dein Wissen und deine Einsichten mit, hilf ihnen, mehrere mögliche Lösungen zu finden, und mache deutlich, dass du dein Kind nicht zu etwas zwingen wirst, was es nicht will. Und dann akzeptiere die Entscheidung, die dein Kind trifft – auch wenn es nicht deine erste Wahl ist – und behalte dein elterliches Vetorecht nur für die dümmsten und existenzbedrohendsten Entscheidungen.

Stixrud und Johnson erinnern uns an das alte Sprichwort: »Weisheit kommt von Erfahrung, und Erfahrung kommt von schlechten Entscheidungen«. Wie bei allem gilt: Übung macht den Meister. Wenn du deinen Kindern erzählst, was als Folge ihrer Fehlentscheidung passieren könnte, kürzt das diesen Prozess nicht ab:

[Kinder] müssen die natürlichen Konsequenzen ihrer Entscheidungen erfahren, von der unangenehmen Kälte, wenn sie beschlossen haben, keine Jacke zu tragen, bis hin zu einer schlechten Note in einem Test, weil sie beschlossen haben, nicht zu lernen. Wir erleben häufig, dass Jugendliche und junge Erwachsene aufs College gehen, ohne die Gelegenheit gehabt zu haben, Entscheidungen über die Dinge zu treffen, auf die es ankommt, z. B. wie sie ihre Zeit strukturieren wollen, wofür sie ihre Energie einsetzen wollen oder ob sie überhaupt zur Schule gehen wollen.

In dem Wildniscamp, in dem ich sechs Sommer lang arbeitete, half ich bei der Leitung einer Rucksacktour namens Aufstieg, bei der eine Gruppe jugendliche Camper:innen ihr eigenes 3-Tage-und-2-Nächte-Abenteuer im Hinterland plante und durchführte. Zwei erwachsene Betreuer begleiteten die Gruppe, aber wir folgten ihr nur als eine Art Versicherungspolice für den Fall, dass sich jemand verletzte oder die Gruppe hoffnungslos verloren ging. Wir durften uns mit den Camper:innen unterhalten und freundlich sein, aber im Grunde hatten wir einen Auftrag zu befolgen: Löse keine Probleme für die Camper:innen! Sei unsichtbar. Lass sie erleben, wie es wäre, wenn du wirklich nicht da wärst.

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