Dinge, die ich gern gewusst hätte

Ein Kommentar von Ruth Abraham

Was ich mir gerne mitgegeben hätte vor der Geburt meiner Kinder, in keiner besonderen Reihenfolge:

  1. Es geht gar nicht darum, dass du weißt, wie es richtig geht. Es ist egal, dass du Fehler machst. Du kannst viele Dinge nicht wissen, bevor du feststellst, wie falsch sie sind, indem du sie falsch gemacht hast. Es geht nicht darum, dass du heute einen guten Plan hast, damit dein Kind morgen keinen Schaden hat. Dieser Anspruch macht dich krank und er nimmt deinem Kind eine wichtige Erfahrung: Reparieren. Fang gar nicht damit an, dir diesen Plan überzustülpen, auch wenn dein Umfeld das versuchen wird.
  2. Der viel wichtigere Punkt ist nämlich, dass du lernst zu reparieren. Die Verantwortung zu übernehmen, ohne dich in Schuld zu wälzen. Die Sache ist nicht, die perfekte Methode zu kennen und zu wissen (Spoiler: Wir werden in zehn Tagen wieder neues Wissen darüber haben, was besser ist), sondern zu wissen, dass wir Fehler machen und wie wir sie reparieren können.
  3. Dein Job ist nicht, die Welt weniger schrecklich zu machen. Das ist ziemlich viel verlangt. Dein Job ist, deinem Kind die Resilienz zu geben, mit der Welt umzugehen. Dein Job ist, kein zusätzlicher Stress zu sein im Leben deines Kindes. Keine zusätzlichen Kämpfe zu kämpfen, die am Ende egal sind. Es geht nicht darum, dass diese Welt nicht komplett im Eimer ist und du etwas an ihr ändern willst – mach es, wenn du kannst. Aber deinem Kind kannst du die Welt nicht ersparen. Du hast es nämlich in genau diese hineingesetzt. Und dein Job ist es, es darin zu begleiten. Und ja, das ist beängstigend und verunsichernd und kann bedeuten, dass du mehr als einmal nicht weißt, wo es langgeht. Macht nichts. Es geht darum, dass du an der Seite deines Kindes bleibst. So viel mehr ist es am Ende nicht.

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