Die orgastische Geburt: Ein verzückendes Erlebnis

Schmerzen unter der Geburt entstehen, wenn die Gebärende Angst hat und kämpft, sich in einer ungewohnten Umgebung unwohl fühlt, die Menschen um sie herum sie stören und sie keinen Einfluss darauf nehmen kann, dass es ihr gut geht. Wenn sie aber selbst bestimmen kann, wie und wo sie ihr Kind auf die Welt bringt, und wer sie dabei unterstützt, damit sie vertrauensvoll loslassen kann, können die Schmerzen schwinden und Hochgefühlen Platz machen.

Ein Interview mit Debra Pascali-Bonaro, Regisseurin und Doula

Debra Pascali-Bonaro meint, wir hätten das Recht auf eine lustvolle Geburt, die Natur habe es ursprünglich für uns so eingerichtet. Die Mutter von sechs Kindern setzt sich leidenschaftlich dafür ein, dass Frauen und Männer mehr Freude und Liebe bei der Geburt und im Leben überhaupt finden. In Vorträgen, Kursen und Doula-Ausbildungen vermittelt sie viele neue und traditionelle Arten, sich mit der inneren Weisheit zu verbinden und Babys in Geborgenheit und Freude auf die Welt zu bringen. Sie ist davon überzeugt, dass jede Mutterbaby-Einheit das Recht hat, eine Geburt in Würde, Sicherheit und Liebe zu erleben, um die Kraft und die transformative Eigenschaft der Geburt voll zu erfahren. Neben ihren vielfältigen Aktivitäten hat sie sich sogar an einen Dokumentarfilm gewagt, den sie The Best Kept Secret (Das bestgehütete Geheimnis) genannt hat. Sie bezieht sich darauf, dass Geburt in unserer Gesellschaft stets mit Schmerzen in Verbindung gebracht wird, womit die positive Seite gänzlich außer Acht gelassen wird. Darüber hinaus betont sie die sexuelle Komponente der Geburt.

Verraten Sie uns, wie Sie auf die Spur dieses »bestgehüteten Geheimnisses« gekommen sind?

Für mich ist Geburt immer ein geheimnisvolles Wunder gewesen. Sowohl meine Uroma als auch meine Oma, beide mehrfache Mütter, beschrieben sie als eine harte und zugleich unheimlich bereichernde Arbeit voller Glückseligkeit. Die Herausforderungen wurden nicht verschwiegen, dennoch stand die Freude im Vordergrund. Selbst meine Mutter, die im Kreißsaal-Zeitalter Kinder bekam, hatte das Glück, von ihrer Mutter und Großmutter in der ihr vertrauten Umgebung begleitet zu werden.

Als junge Erwachsene vertiefte ich das Thema und entdeckte dabei das Buch Spirituelle Hebammen von Ina May Gaskin. Von ihr erfuhr ich über den Zusammenhang zwischen Geburt und Sexualität, sie berichtete über Frauen in den Wehen, die mit ihrem Partner schmusten, und sie sprach über die Geburt als einen freudvollen Raum. Mit diesem Wissen und den Geschichten, die ich in meiner Familie gehört hatte, begrüßte ich freudig die Geburt meines ersten Kindes als ein unglaubliches und wundervolles Ereignis.

Es wurde mir bewusst, dass viele Menschen weder gute Familiengeschichten gehört hatten noch über Wissen verfügten. So entstand in mir der Wunsch, die Leute zu informieren, ihnen zu enthüllen, dass Geburt viel mehr Gesichter hat als das schmerzverzerrte, das in unserer Kultur propagiert wird. Ich begann also, darüber öffentlich zu sprechen, und merkte, dass selbst die Frauen, die die Geburt als lustvoll erlebt hatten, dazu neigten, es für sich zu behalten, weil es nicht dem gängigen Bild in unserer Kultur entsprach.

Debra Pascali-Bonaro

Woher kommt diese Verbindung von Geburt mit Angst und Schmerz?

Ich arbeite inzwischen schon länger als Geburtsbegleiterin und glaube, dass es damit zu tun hat, dass die erste Geburt, die Frauen erleben, die des eigenen Kindes ist. Vor vielen Jahren wurden Kinder zu Hause geboren, und die ganze Familie bekam es mit. Kleine Mädchen waren Teil des Frauenkreises, der sich um die werdende und frisch gebackene Mutter kümmerte. Dieses Unterstützungsnetzwerk ist in unserer Gesellschaft inzwischen zusammengebrochen. Ich bin davon überzeugt, dass die Angst vor einer Geburt verfliegen würde, wenn Frauen auf eine gesunde Art und Weise darüber informiert würden, und im Laufe ihres Lebens mehrmals mit Geburt in Berührung kämen, bevor die Wehen bei ihnen selbst einsetzten.

Artikel weiterlesen?

Kauf die aktuelle Ausgabe oder schließ ein Abo ab, um alle Ausgaben zu lesen.

Du bist bereits Abonnent oder hast das Heft gekauft und besitzt ein Benutzerkonto?