Kinderkriegen. Reproduktion Reloaded.

von Barbara Peveling und Nikola Richter (Hrsg.)

Nautilus Flugschrift, ISBN: 978-3-96054-253-7, 20,00 Euro

Der Klappentext verspricht: 26 »essayistische Erfahrungsberichte« rund um das Thema »Kinderkriegen«. Geboten werden zum großen Teil sehr persönliche und literarisch anspruchsvolle Texte, die das Thema individuell beleuchten. Erfreulicherweise kommen dabei nicht nur Frauen zu Wort.

Das Buch beginnt zeitgemäß mit einer Chat-Unterhaltung als Vorwort: Die Herausgeberinnen und die Verlegerin Katharina Picandet schneiden dabei viele der später aufgegriffenen Themen an: Obwohl jede:r eine Meinung zum Thema habe, gebe es sehr viele Tabus. In den folgenden Texten werden einige dieser Tabus aufgegriffen – auf sehr gewinnbringende Weise.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im vier Essays umfassenden ersten Teil, Pläne machen , geht es um die Frage des Kinderwunsches, oder genauer, darum, wie es eigentlich ist, wenn dieser nicht vorhanden ist. Gibt es für Frauen und Männer in verschiedenen Kulturen Lebensentwürfe, die keine Kinder vorsehen und nicht als defizitär gelten? Wie kommen Personen zu Entscheidungen für oder gegen ein Kind und wie gehen sie damit um, dass Kinder zu bekommen nicht wirklich planbar ist? Auch wenn diese ersten Essays sich aufgrund ihrer sehr eigenen Sprache teilweise etwas schwierig lesen, sind sie doch anregend.

Richtig packend wird das Buch erst ab Teil zwei: neun Monate . Unter dieser Überschrift sind acht Essays zu verschiedenen, oft verschwiegenen Themen versammelt. Egon Koch schreibt darüber, wie sich in seiner Partnerschaft rund um die Abtreibung seiner Partnerin eine große Sprachlosigkeit ausbreitete und dass es auch heute, vierzig Jahre später, in der gesellschaftlichen Debatte kaum Raum für den Schmerz der nicht-werdenden Väter gebe. Barbara Peveling thematisiert unnötige Gewalt bei Abtreibungen und Antje Schrupp stellt die Frage, wie wir als Gesellschaft damit umgehen, dass manche Personen schwanger werden können und andere nicht. Sie stellt die These auf, dass infolge der Heteronormativität Entscheidungen, die eigentlich gesellschaftlich und politisch geklärt werden müssen, ins Private verschoben werden. Fragen rund ums Schwangerwerden können sollten öffentlich verhandelt werden.

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