Wir lernen, was wir wollen!

Das ABC erläutert zentrale Begriffe, die immer wieder im Zusammenhang mit Demokratischen Schulen genannt werden. (Teil 22)

Martin Wilke

V wie Verantwortung

An Demokratischen Schulen tragen Kinder und Jugendliche selbst die Verantwortung für ihr eigenes Handeln und für ihr Lernen.

Freiheit und Verantwortung gehen Hand in Hand. Verantwortung bedeutet, Dinge selbst in die Hand zu nehmen, Entscheidungen zu treffen und für ihre Umsetzung zu sorgen. Wer die Verantwortung trägt, darf Risiken eingehen, muss aber auch die Konsequenzen tragen, beispielsweise für Schäden einstehen. Mitunter werden Dinge schief gehen. Verantwortung zu übernehmen, bedeutet, keine Ausreden für Dinge zu erfinden, die man tatsächlich selbst zu verantworten hat. Für Dinge, die einen nur selbst betreffen, muss man sich allerdings auch nicht vor anderen, sondern nur vor sich selbst rechtfertigen.

Schüler:innen in Demokratischen Schulen sind für ihre Bildung selbst verantwortlich. Sie sind selbst verantwortlich dafür, womit sie ihre Zeit verbringen bzw. wieviel Zeit sie mit welchen Aktivitäten verbringen. Wenn sie Unterstützung bei etwas brauchen, liegt es in ihrer Verantwortung, danach zu fragen. Sie müssen die Initiative ergreifen und Entscheidungen treffen. Wenn ihnen langweilig ist, müssen sie selbst einen Weg finden, damit umzugehen, die Langeweile entweder zu ertragen oder einen Weg aus ihr heraus zu finden. Wer verantwortlich ist, ist zuständig.

Schüler:innen können Verantwortung in der Gemeinschaft und für die Gemeinschaft übernehmen.

Sie können weitreichende Entscheidungen über ihr eigenes Leben treffen, müssen aber auch mit den Ergebnissen dieser Entscheidungen leben. Sie werden dabei einige Entscheidungen treffen, mit denen sie später nicht zufrieden sind. Sie können dafür jedoch weder ihre Eltern noch die Mitarbeiter:innen verantwortlich machen. Denn niemand kann für etwas verantwortlich gemacht werden, über das er keine Entscheidungsbefugnis hat. Eltern oder Mitarbeiter:innen, die Schüler:innen alles abnehmen, verhindern, dass Schüler:innen Verantwortung übernehmen. Doch es geht dabei nicht nur um große wegweisende Entscheidungen, sondern auch um die alltäglichen: ob bzw. wann und was sie während des Schulalltags essen und trinken, wann sie auf Toilette gehen, ob sie sich draußen eine Jacke anziehen, sich rechtzeitig für Ausflüge einzutragen, dass ihren Kram nicht liegen lassen und eigene Termine im Blick behalten. Auch wenn ihre Fähigkeiten und Erfahrungen zunächst begrenzt sind, wachsen Kinder und Jugendliche nach und nach in die Verantwortung hinein. Je selbstverständlicher es für sie ist, im Alltag verantwortlich zu sein, um so leichter fällt es ihnen, auch die Verantwortung für ihr Leben und Lernen insgesamt anzunehmen.

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