Sind alternative Familienformen die Regel oder die Ausnahme?

Was ist eigentlich Familie? – lautet die Frage, die einerseits inhaltlich leitend und zugleich direkt ins Thema hineinführend ist. Bereits 2013 löste die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die das Recht homosexueller Lebenspartner:innen bezüglich der Adoption von Adoptivkindern des:r gleichgeschlechtlichen Partner:in (diese so genannte sukzessive Adoption ist nun auch ihnen gestattet) stärkte, eine breite gesellschaftliche Diskussion aus, die andauert.

Rainer Orban

Und schon sind wir mittendrin im Dilemma. Kaum ein Begriff des öffentlichen Lebens scheint so klar und deutlich wie jener der Familie (und der fatalerweise, sofort mit Ehe verbunden wird). Jeder glaubt intuitiv, auf Basis seiner eigenen Erfahrungen eine klare Vorstellung davon zu besitzen, was Familie ausmacht und was Familie letztlich ist .

Doch ist das, was Familie ist, überhaupt so klar?

Klar ist, es gibt verschiedene Spielarten, wie Menschen ihr Zusammenleben gestalten. Diese Vielfalt familiärer Lebensformen schlägt sich daher in einer großen Anzahl von Begriffen für Familienformen nieder, wie sie aktuell in den Medien und in der Fachliteratur Verwendung finden.

Da ist die Rede von Zwei-Eltern-Familien, kinderlosen Ehepaaren, Alleinstehenden, bi-kulturellen Familien, Commuter-Ehen, Ein-Eltern-Familien, Patchworkfamilien, Single-Mamas oder -Papas; von Alleinwohnenden, Partnerschaften mit getrennten Haushalten, Shuttle-Paaren, Mehr-Generations-Familien, biologischen Kernfamilien, Married Singles , Teilzeitehen, » Two Location Families «, Adoptiv-familien, Inseminationsfamilien, traditionellen Familien, Zweitfamilien, Pflegefamilien, Alleinerziehenden, Singles, Fortsetzungsfamilien etc. Teilweise werden unterschiedliche Bezeichnungen synonym für dieselbe familiäre Konstellation verwendet (z. B. Ein-Eltern-Familie und alleinerziehend). Zum Teil markieren diese unterschiedlichen Begriffe jedoch auch feine Differenzen: Eine Alleinerziehende ist nicht automatisch eine »Single-Mama«. Sie kann einen Freund haben, ohne deshalb bereits eine Patchworkfamilie gegründet zu haben (gleichzeitig ist » Single Mom « die gebräuchliche englische Entsprechung für »Alleinerziehende« – so verwirrend können Bezeichnungen alternativer Familienformen sein).

Familie ist viel mehr Zugehörigkeit als heteronormative Definition.

Wer nun annimmt, dass diese Variationsformen traditioneller Familienstrukturen oder Vielfalt alternativer Familienformen quasi eine Erfindung der postmodernen Lebenswelten unserer westlichen Kultur sind, der irrt allerdings gewaltig.

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