Wenn das Baby weint und weint …

Für viele Eltern ist die erste Zeit mit Baby herausfordernd. Was aber, wenn der Nachwuchs ab der Geburt für mehrere Monate durchschreit? Unsere Autorin hat das dreimal erlebt und macht anderen Eltern Mut.

Andrea Zschocher

Wenn das Baby erst auf der Welt ist, dann haben Eltern unterschiedliche Vorstellungen vom Zusammensein. Den meisten ist es wichtig, dass die Kinder gesund sind, dass es ihnen gut geht und, dass die erste Zeit vor allem von viel Kuscheln, Ankommen und Kennenlernen geprägt ist. Eltern haben, vollkommen zurecht, eine Phantasie zum Leben mit Kind(ern) im Kopf.

Erfahrungen mit Schreibaby

Vielleicht an dieser Stelle ein Hinweis in eigener Sache: Auch ich hatte eine Idee von meinem Leben als neue Mama. Und auch vom Leben als Zwei- und Dreifachmama. Auch wenn alles ganz anders kam, als ich es mir erträumt habe, ich bin dankbar, dass meine Kinder so sind, wie sie sind. Aber gleichzeitig ist da immer noch dieser Wunsch in mir, dass ich gern vorher gewusst hätte, was mich im Leben mit einem Schreibaby erwartet. Ich war nicht vorbereitet auf dieses alles andere ausblendende Geschrei. Monatelang, meist zwölf Stunden am Tag. Meine Kinder, inzwischen sieben, fünf und zwei Jahre alt, waren alle sogenannte Schreibabys. Viel weinende Babys, deren Geschrei mir in den Kopf und ins Herz ging. An das erste Jahr mit Baby habe ich bei allen Dreien wenig Erinnerungen. Es gibt kleine Fragmente, aber das meiste ist überlagert von Geschrei und einem überwältigenden Gefühl tiefer Erschöpfung und Sorge, schuld am nicht enden wollenden Geschrei meiner Kinder zu sein.

Bin ich schuld?

Das hören insbesondere Mütter ja immer wieder: Wenn die Kinder unstillbar weinen, dann machen Mütter etwas falsch. Entweder verstehen sie ihre Kinder nicht richtig, oder würden nicht angemessen auf die Bedürfnisse eingehen. Denn, so der allgemeine Tenor, den auch ich immer wieder zu hören bekam: Ein Baby kommuniziert sehr deutlich. Und es meldet sich nur, wenn es Nahrung, Zuwendung oder eine trockene Windel braucht. Als Mutter müsse man eben lernen sein Baby richtig zu lesen und schon endet das Geschrei. Mich ließ das beim ersten Kind verzweifeln, weil ich wirklich glaubte, ich wäre das Problem. Dabei stimmt das natürlich nicht. Viel weinende Babys haben oft ein sehr viel größeres Nähebedürfnis und sind schneller von Umweltreizen erschöpft, als andere Babys es sind.

Artikel weiterlesen?

Kauf die aktuelle Ausgabe oder schließ ein Abo ab, um alle Ausgaben zu lesen.

Du bist bereits Abonnent oder hast das Heft gekauft und besitzt ein Benutzerkonto?