Wir lernen, was wir wollen!

Das ABC erläutert zentrale Begriffe, die immer wieder im Zusammenhang mit Demokratischen Schulen genannt werden. (Teil 21)

Martin Wilke

U wie Unschooling

Eltern, die ihren Kindern selbstbestimmte Bildung ermöglichen wollen, haben dafür im Wesentlichen zwei Optionen: Unschooling, d. h. Lernen im häuslichen Umfeld – in Deutschland auch unter dem Begriff »Freilernen« bekannt – oder eine Schule, die selbstbestimmtes Lernen ermöglicht, etwa eine Demokratische Schule.

Aufgrund der Schulpflicht ist Unschooling in Deutschland offiziell nicht möglich. Deshalb ist es keine Überraschung, dass viele Eltern, die eigentlich gerne Unschooling betreiben würden, auf Demokratische Schulen ausweichen und dort einen nennenswerten Teil der Elternschaft ausmachen. Deshalb ist es wichtig, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Unschooling und Demokratischen Schulen zu betrachten.

Die zentrale Gemeinsamkeit ist, dass die Lernfreiheit der Kinder und Jugendlichen respektiert wird. Sie müssen keinem Lehrplan folgen, sondern können ihr Lernen selbst steuern und ihre Aktivitäten im Grunde frei wählen. Es gibt keine Vorgaben, womit sie sich wie lange beschäftigen müssen. Wenn sie sich für eine Sache wirklich interessieren, können sie ihr auf den Grund gehen und viel Zeit damit verbringen.

Unterschiede

Demokratische Schulen haben bestimmte Öffnungszeiten und Anwesenheitsregeln. Unschooling lässt sich nicht vom sonstigen Alltag trennen und findet zu allen Tageszeiten und an allen Wochentagen statt und wird nicht künstlich durch Ferien unterbrochen.

Demokratische Schulen haben demokratische Strukturen und Verfahrensweisen: Es gibt eine Schulversammlung, in der jeder das gleiche Stimmrecht hat. Die Schulversammlung entscheidet über Schulregeln. In einer Familie gibt es meist keine geschriebenen Regeln – jedenfalls keine demokratisch aufgestellten – und kein Rechtssystem. Innerhalb der Familie kann man weder Beschwerden schreiben noch bekommen. Im Zweifelsfall werden Konflikte durch die Eltern entschieden. Wenn Eltern sich selbst nicht an Regeln oder Absprachen halten, können Kinder wenig dagegen ausrichten. Eltern müssen nicht mit Konsequenzen rechnen.

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