Voller Kopf und leerer Akku – Wenn Familienorganisation zur Belastung wird

An etwas denken müssen oder Verantwortung tragen für die Erledigung von Aufgaben rund um Haushalt und Familie – ist das überhaupt Arbeit? Auf jeden Fall! Und diese Arbeit kann schnell zu Überlastung führen, besonders wenn sie ungleich verteilt ist und nicht gesehen wird. Mit dem Begriff »Mental Load« wird dem Ganzen ein Name gegeben. Doch was genau beschreibt Mental Load? Wie kann dem begegnet werden, und wie kann es gelingen, es zu verringern?

Stephanie Pils

Auf dem Boden sitzend ziehe ich einem meiner Söhne die Schuhe an und merke: zu klein, er braucht was Neues. Mein Blick wandert zu dem Durcheinander der verschiedenen Kinderschuhe unserer Bande, und ich weiß, ich sollte checken, wer von den anderen drei auch noch neue Schuhe braucht. Und welche Größe gerade bei wem angesagt ist. Bei den Älteren definitiv auch klären, was es denn sein soll: Turnschuhe? Schnürer? Und was passiert mit den alten Schuhen? Noch brauchbar? Behalten und bei einem der jüngeren Geschwister wiederverwenden? Verkaufen? Verschenken? Ach ja! Schlussendlich muss ich ja dann auch noch das machen, was ich eigentlich vorhatte. Nämlich Schuhe kaufen.

Dies ist ein winzig kleines Beispiel aus meinem Alltag dafür, welch ein Rattenschwanz an Denkarbeit und zusätzlichen Tätigkeiten an einer einfachen Aufgabe rund um Haushalt und Familie hängt. Und so verhält es sich mit allen Alltagsaufgaben. Es ist selten diese eine Sache, die erledigt werden will. Sondern unzählige Kleinigkeiten, die bezüglich dieser einen Sache mitbedacht und erledigt werden wollen. All diese großen und kleinen Dinge im Kopf zu haben und die Verantwortung für sie zu tragen kann auf Dauer unheimlich belastend sein.

It´s just Mental Load … aber was genau ist damit gemeint?

Ganz nüchtern formuliert meint der Begriff » Mental Load « die Belastung, die entsteht durch das Bedenken, Organisieren und Koordinieren von Alltagsaufgaben rund um Haushalt und Familie. Dieses Bedenken, Organisieren und Koordinieren gelten gemeinhin als nicht besonders erwähnenswert. Mehr noch, sie sind sogar unsichtbar. Und zwar unsichtbar nicht nur für Außenstehende, sondern auch für die Person selbst, die sie übernehmen. Was zur Folge hat, dass die betroffene Person sich der Belastung und woher sie kommt oft gar nicht bewusst ist. Meist spürt sie nur deren Auswirkungen.

Mit der Geburt von Kindern setzt häufig eine starke Belastung ein, das Mental Load.

Mental Load beinhaltet jedoch noch mehr. Die besondere Schwere der Belastung wird durch die Verantwortung für das Bedenken und Erledigen besagter Aufgaben erzeugt. Das heißt, selbst wenn die betroffene Person konkrete Aufgaben oder Teilaufgaben an andere delegiert, entsteht selten tatsächliche Entlastung. Solange diese Person nach wie vor die Verantwortung trägt. Wenn sie also kontrollieren muss, ob Aufgaben erledigt wurden, oder wenn Aufgaben wiederkehren, sie erneut an deren Erledigung denken muss, reduziert sich die Belastung nur geringfügig.

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