Ich spiele das Spiel der Zensuren

Eisern halten staatliche Schulen an Bewertung und Noten fest – trotz lauter werdender kritischer Stimmen, trotz wissenschaftlicher Beweise dagegen. Ohnmacht, Wut und die Frage nach dem Warum beschäftigen Eltern und Schüler:innen. Eine persönliche Betrachtung.

Helen E. Lees

Ich spiele ein Spiel. Es ist ein Spiel mit vielen Namen, aber ich nenne es »So tun, als ob es mich interessiert«. Mein Sohn spielt »Leisten und Erfüllen«. Die Schule spielt »Fordern, Suchen, Beurteilen und Etikettieren«. Es ist mir nicht egal, wirklich nicht. Es ist wichtig, dass mein Sohn ein Selbstwertgefühl hat. Wenn er in dem Spiel »Leisten und Erfüllen« mitspielt, um zu gewinnen oder zu verlieren, dann spiele ich mit, um sicherzustellen, dass er geschützt bleibt. Leider ist er durch seine eigene Wahl in diesem Spiel. Oder besser gesagt: Durch seine Wahl, die Schule zu besuchen, muss er ihr Spiel des Forderns in der Rolle des Erfüllers spielen.

Ich würde ihn gerne zu Hause bilden, und in Italien, wo ich lebe, ist das möglich, wenn auch schwierig, da es so selten ist. Aber er geht zur Schule. Er besteht sogar darauf, zur Schule zu gehen, weil er ein sehr sozialer Junge und gerne unter vielen Menschen ist. Er geht zur Schule, obwohl ich nichts von dieser Schule halte. Ich muss seine Entscheidung respektieren, trotz all der Spielchen. Ich habe bis jetzt nur das eine erwähnt, nämlich ihr Spiel mit Bewertung und Zensuren. Es gibt allerdings viele Spiele: Pass dich an oder stirb; Sei gut oder sei schlecht; Habe Schwierigkeiten, und wir lehnen dich ab; Clever macht fröhlich. So viele Spiele.

Back to Black?

Das Schulsystem im Allgemeinen in Italien, wo wir als Familie leben, ist byzantinisch. Nein. Das ist zu großzügig. Mittelalterlich? Faschistisch angehaucht. Wenn man ehrlich sein will? Etwas aus dem letzten Jahrhundert, so viel ist sicher. Als englische akademische Pädagogin, die sich auf alternative Bildung spezialisiert hat, habe ich einige sehr starke und forschungsbasierte Ansichten darüber, wie schlecht die englische Schulbildung war und ist. Ich habe meine Doktorarbeit über die Entdeckung geschrieben, dass man ihr entkommen kann. Ich habe Menschen interviewt, die auf die eine oder andere Weise entkommen waren – physisch und buchstäblich oder mental, während sie aus der Not heraus im System blieben. Diese Menschen hatten entdeckt, dass Bildung zu Hause oder andere Alternativen vom Üblichen eine Option sind. Die Offenbarung, dass Bildung zu Hause ein Ausweg ist, den zumindest das Vereinigte Königreich angesichts seines erbärmlichen Versagens, so vielen, die nicht in die Form passen, eine anständige Bildungserfahrung zu bieten, gesetzlich vorsieht, hatte ihre Stimmung sicherlich gehoben. Sie mussten nicht all diese Spiele spielen.

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