Der Preis des Lobes

Lob schadet, auf viel Ebenen. Hilflos fragen sich Eltern: Was soll ich anstatt des Lobens denn tun?

Naomi Aldort

Eine Mutter las einen Artikel von mir in der Zeitschrift Mothering über den Schaden von Lob. Besorgt fragte sie mich: Wenn ich aufhöre, mein Kind zu loben, verliert es das Interesse. Was kann ich anstelle von Loben tun?

Sich mit dem Empfinden des Kindes verbinden

Es gibt nichts, was man »anstatt« des Lobens tun könnte. Worte, die das Kind dazu bringen wollen, das zu fühlen und zu tun, was wir wollen, sind manipulativ und haben den gleichen Preis wie andere Zwänge: den Verlust der intrinsischen Motivation, den Verlust des Selbstvertrauens, die Abhängigkeit von Anerkennung, eine beschädigte Eltern-Kind-Beziehung, vermindertes Selbstwertgefühl, Unsicherheit, Desinteresse, Unehrlichkeit, mit so wenig wie möglich durchkommen, Angst vor Herausforderungen und mehr. Das bedeutet nicht, dass wir gleichgültig werden; im Gegenteil, wenn Eltern frei von der Absicht sind, die Emotionen, Handlungen oder das Verhalten des Kindes zu beeinflussen, können sie ihre Wertschätzung für und die Freude über das Kind frei und authentisch ausdrücken.

Positive Gefühle und Gedanken über ein Kind oder seine Handlungen können auf vier Arten ausgedrückt werden: Bestätigung – bedingungslose Wertschätzung – Dankbarkeit – Feedback (wenn gewünscht) . Keine davon umfasst Lob als Bewertung. Es geht nicht um gut oder schlecht, schön oder hässlich, sondern darum, die Selbstzufriedenheit eines Kindes zu nutzen, um an seiner Freude teilzuhaben, es zu schätzen, zu lieben oder auf sein Bedürfnis nach Rückmeldung einzugehen. Zuerst werde ich auf die Art und Weise eingehen, wie Gefühle der Freude und Wertschätzung gegenüber dem Kind ausgedrückt werden können: das Bestätigen seiner Gefühle der Selbstzufriedenheit.

Ein Kind möchte wissen, dass wir uns seines Erfolgs bewusst sind, und es möchte seine Freude mit uns teilen. Wer lobt, um auf die Gefühle oder Handlungen seines Kindes einzuwirken, taktiert mit dessen Emotionen und stellt keine Beziehung zu ihm her. Um sich mit seinem Kind zu verbinden, während man es wertschätzt, muss man sich mit dessen ausgedrückten Gefühlen verbinden, statt ein Gefühl in ihm hervorrufen zu wollen.

Ein Kind möchte wissen, dass wir uns seines Erfolgs bewusst sind und seine Freude mit uns teilen.

Bejubeln und Bewerten eines Kindes können auf vielfältige Weise verwirrend sein: Die Sehnsucht eines Kindes, den Eltern zu gefallen, ist so stark, dass es in seinem Bestreben, den Erwartungen gerecht zu werden, leicht von seinem eigenen Weg abgebracht werden kann. Sein eigenes Empfinden kann sich stark von den Schmeicheleien unterscheiden, es kann enttäuscht sein von dem, was es erreicht hat, sich für sein Verhalten schämen, sich darüber ärgern, dass es etwas tun muss, oder durch das übermäßige Getue verwirrt sein und dann an seiner eigenen Fähigkeit zweifeln, sich selbst zu kennen.

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