Gelassen durch die Krise?

Das Jahr 2020 bleibt als das Schreckensjahr in Erinnerung, das Jahr der Pandemie. Als im März das erste Mal das öffentliche Leben zum Erliegen kam, Schulen und Kitas schlossen und viele Arbeitnehmer ins Homeoffice geschickt wurden, wussten viele Familien nicht, was auf sie zukommen würde. Nach fast zehn Monaten und im zweiten »Lockdown light« fragen wir nach. Familien erzählen uns von ihren Herausforderungen, Lösungen und Wegen. Fünf Erfahrungsberichte.

Debora (33) und Flavio (33) mit Amy (8) und Soey (6) aus der Schweiz

Kopf oder Zahl

Es war Freitag, Freitag der 13. März 2020. Ein herrlich duftender Frühlingstag. Wir genossen den Nachmittag in der milden Sonne, und doch lag da ein Schatten über mir. Ich glaube, die Kinder bekamen diese Anspannung nicht groß mit. Leben sie doch so viel im Moment des Seins. Dieser Schatten hatte einen Namen bekommen, Corona nennen sie ihn. Die Regierung tagte zu diesem Zeitpunkt über die aktuelle Lage der Nation und wie es nun weitergehen solle. Irgendwie total surreal, wie in einem Film.

Dann endlich traten sie vor die Medien. Lockdown … Schule geschlossen, Großeltern fallen als Betreuungspersonen aus, meine Arbeit als med. Praxisassistentin jedoch nicht, mein Mann im Zivilschutz, um zu unterstützen gegen einen unsichtbaren Feind. Schwarz, Gedankenkarussell, Ängste, Unsicherheit, Verzweiflung, Wut und Trauer dehnten sich aus in mir. Wie und was geschieht da gerade um uns herum? Und wie soll ich diesem Schatten nur Herr werden? Ich wanderte draußen umher, die schöne Sonne, dieser duftende Frühlingstag, dieser herrliche Augenblick in einer Minute gekippt. Von golden zu rostig.

Und meine Kinder, meine geliebten Mädchen, sie tanzten auf der Straße unseres kleinen Dorfes, sie feierten das Leben, sie sprangen in die Luft. Vor Freude über die lange Zeit ohne Schule, ohne Müssen und Sollen. Schon lange spürte ich nicht mehr eine solche Leichtigkeit ihrerseits. Ich konnte förmlich sehen, wie eine Anspannung von ihnen abfloss.

Familien stehen vor großen Herausforderungen während der Pandemie.

So beschloss ich, es ihnen gleichzutun. Ich beschloss für mich als Mama, ihnen zu folgen. Mich in das Ganze vollumfänglich hineinzuwerfen, ohne zu wissen, was mich erwarten würde, und ohne zu wissen, auf welche Seite die Corona-Münze fallen würde. Eins wusste ich jedoch intuitiv, dass ich die Münze drehen konnte, in diesem Moment des Jas für die kommende Zeit.

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